Werken

Ein Fach so selten unterrichtet, dass doch ein manch anderer fragt:
„Das ist ein Schulfach?“

In der Tat, Gestaltendes Werken ist ein Schulfach. Und dabei deutlich vielseitiger, als man denkt. Wenn ihr an Werken in der Schule denkt, so denken die meisten wohl an Laubsägearbeiten und Sperrholz. Vielleicht taucht vor eurem inneren Auge auch direkt ein etwas schiefer Weihnachtsstern auf, der damals mit sehr viel Liebe (und noch mehr Holzleim) entstanden ist. Werken ist jedoch viel mehr als Laubsäge und Holz.
Vergleicht man Kunst und Werken miteinander, so ist der größte Unterschied, dass wir im Fach Kunst bildnerisch arbeiten und im Fach Werken handwerklich. Die Fläche, in der wir im Fach Kunst meist arbeiten, wird im Fach Werken zur Form herausgearbeitet. Während im Kunstunterricht ein Bild auf dem Papier entsteht, wächst im Werkraum etwas, das man anfassen, drehen, belasten, manchmal sogar benutzen kann. Aus einer Idee wird ein Gegenstand, Schritt für Schritt, mit Planung, Werkzeug und einer guten Portion Geduld.

Gestaltendes Werken bedeutet: denken, planen, ausprobieren, verwerfen, neu beginnen, und am Ende stolz auf etwas Eigenes blicken. Es geht um Materialerfahrung in den Bereichen Papier, Ton, Metall, Holz, Stein, Styropor, etc.. Es geht um das Kennenlernen von Werkstoffen und Werkzeugen, um das Verstehen von Konstruktionen und darum, wie aus Einzelteilen ein stabiles Ganzes wird. Hier wird gesägt, gefeilt, gebohrt, geschliffen, verbunden und gestaltet. Natürlich, manchmal wird auch geflucht, wenn die Schraube nicht dahin will, wo sie soll. Aber genau das gehört dazu.


Werken schult nicht nur die Hand, sondern auch den Kopf. Technisches Verständnis, räumliches Vorstellungsvermögen, sorgfältiges Arbeiten und problemlösendes Denken sind feste Bestandteile des Unterrichts. Wie stabil muss eine Verbindung sein? Welche Form erfüllt welchen Zweck? Welches Material eignet sich am besten? Fragen, die plötzlich ganz praktisch werden und deren Antworten man nicht googeln, sondern ausprobieren muss.

Und genau darin liegt der besondere Reiz: Im Werkraum darf ausprobiert werden. Fehler sind keine Katastrophen, sondern Teil des Prozesses. Aus einem „Das hält doch nie!“ wird mit der richtigen Technik ein „Oh, das hält ja wirklich!“. Erfolgserlebnisse entstehen hier mit den Händen.
Gestaltendes Werken verbindet Kreativität mit Handwerk, Idee mit Umsetzung und Kopf mit Hand. Es zeigt, dass Gestalten nicht nur bedeutet, etwas schön zu machen, sondern auch funktional, stabil und durchdacht.

Kurz gesagt:
Werken ist das Fach, in dem aus einer Idee ein echtes Objekt wird.
Und ja, das ist ein Schulfach. Zum Glück.